Knabenbeschneidung...

21. Juli 2012

Ich bin einer der Unterzeichner des Offenen Briefes von Juristen und Medizinern zur Frage der Knabenbeschneidung

In der gegenwärtigen, hoch emotionalen Diskussion sind mir einige Punkte wichtig:

Es geht es nicht um die Frage der Religionsfreiheit. Kleine Jungen, an denen eine Beschneidung vorgenommen wird, sind noch nicht in der Lage als mündige Personen ihre Religion frei zu wählen. Heranwachsende, die nach deutschem Recht mit 14 Jahren religionsmündig werden, können sich dann oder wenn sie erwachsen sind dafür entscheiden, eine Beschneidung vornehmen zu lassen. Sie sind dann frei ihre Religion so zu praktizieren, wie sie dies möchten.

Bei der Beschneidung geht es um die Frage, ob die elterliche Zustimmung zu einer Verletzung des kindlichen Körpers ohne medizinische Notwendigkeit rechtsgültig ist. Hier stehen zwei konkurrierende Rechtsgüter gegeneinander: Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und das elterliche Erziehungsrecht. Es istes nicht automatisch so, dass das elterliche Erziehungsrecht mehr wiegt als das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit. Wenn das so wäre, müsste man ja Eltern auch erlauben, ihre Kinder zu schlagen, wenn sie das für nötig halten. Das will aber doch keiner...

Der Brauch der Genitalbeschneidung ist viel älter als die Religionen, in denen dieser Brauch praktiziert wird. Beschneidungsriten gehen bis auf die Jungsteinzeit zurück. Insoweit handelt es sich um archaische Rituale, deren Wurzeln vielleicht mit den heutigen Religionen nichts zu tun haben.

Knabenbeschneidung ist nicht harmlos oder schmerzlos. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass bspw. eine Beschneidung zwischen dem fünften und zwanzigsten Lebenstag noch Monate später zu einer erhöhten Schmerzreaktion des Kindes führt (Taddio et al. 1995, 1997). Daran ändert auch der Einsatz von lokal anästhesierenden Salben etc. nichts.

Beschnittene Kinder zeigen bei einer späteren Impfung eine stärkerer Schmerzreaktion

Der Hinweis auf hygienischen Nutzen der Beschneidung geht in die Irre. Die Studien zum Beleg des HIV-präventiven Nutzens der Beschneidung wurden in Hochrisiko-Gebieten in Afrika durchgeführt. In Europa gibt es bessere Möglichkeiten der HIV-Prävention bspw. durch Kondom-Nutzung.